Retro-Blick auf: "Maniac Mansion"

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Retro-Blick auf: "Maniac Mansion"

Beitrag von Arrow »

Ich bin zurzeit ein bisschen auf dem Retro-Tripp: Alle paar Jahre muss ich einfach mal wieder ein klassisches, pixeliges Adventure zocken. Oder auch zwei. ;) Dieses Mal habe ich einen ganz großen Kreis geschlagen und erstmalig mein allererstes PC-Spiel durchgeschafft, das ich anno '89 begonnen habe. Die Rede ist von "Maniac Mansion" ("Tollhaus"), Lucasfilms erstem Adventure auf Basis der SCUMM-Engine, die die Grundlage für die ganz großen Lucasarts-Klassiker (Day of the Tentacle, Monkey Island, Indiana Jones) werden sollte. Das Spiel ist ein echtes 8-Bit-Urgestein: Ursrpünglich 1987 für den C 64 und den Apple II erschienen, folgte 1988 schließlich die PC-Fassung. Bis 1990 erschienen grafisch aufgewertete Versionen für Amiga, Atari ST sowie noch einmal für den PC. Welche Fassung ich damals erstmals gespielt habe, weiß ich nicht mehr genau. Da ich aber den Sound als ziemliches Speaker-Gekratze in Erinnerung habe, tippe ich auf die 8-Bit-Fassung. Erst in der verbesserten PC-Version von 1989 wurden nämlich Soundchips unterstützt - da war der gute alte C 64 sogar einmal klar im Vorteil. Im Jahr 2004 erschien aus Fanhand eine von Lucasarts geduldete Deluxe-Version für den PC, die Optik und Sound noch einmal etwas verbesserte und seitdem zum freien Download angeboten wird. Diese habe ich jetzt endlich durchgespielt. Gesteuert wird das Point & Click-Adventure natürlich mit der Maus über eine Reihe von Aktionsverben. Die "Deluxe Edition"sorgt zusätzlich für ein grafisches Inventar.
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Ihr spielt den Teenager Dave sowie zwei seiner Freunde, die ihr zu Beginn des Spiels aus seinem Freundeskreis auswählen könnt. Eure Begleiter haben unterschiedliche Interessen und Fähigkeiten, was Einfluss auf den Spielverlauf nehmen kann. Maniac Mansion besitzt nämlich verschiedene Lösungswege mit mehreren möglichen Finalen. Während des Spiels kann man jederzeit zwischen den Figuren wechseln, um unterschiedliche Aufgaben zu erfüllen, die ab und zu spezielle Kenntnisse erfordern. Um was geht es eigentlich? Das ist einfach: Dave möchte seine Freundin Sandy aus den Händen des offenbar wahnsinnigen Wissenschaftlers Dr. Fred befreien, der sie in seine große Villa entführt hat, um verrückte Experimente an ihr durchzuführen. Man muss also in das Anwesen eindringen und sich Zugang zu Freds Labor verschaffen. Klingt erst mal einfach, doch dieses Haus hält so einige Überraschungen bereit. Schwarzer Humor, ein klein wenig Gruselei sowie jede Menge skurriler Dinge erwarten den Spieler. Tatsächlich ist das Spiel der Vorgänger des legendären "Day of the Tentacle", und so tauchen die beiden grotesken Tentakelwesen selbstverständlich auch in Maniac Mansion auf.
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Die Atmosphäre des Spiels hat mich schon damals sofort in den Bann gezogen, doch früher war ich altersbedingt ein noch viel schlechterer Knobler als jetzt - und selbst heute bin ich wahrlich kein besonders guter. Dass man mal in einem klassischen Adventure nicht weiterkommt, gehört zum Spielerlebnis, doch in Maniac Mansion konnte man durch falsche Aktionen tatsächlich in ein paar ärgerliche Sackgassen geraten, aus der es kein Entrinnen gab. Begriff man das nicht rechtzeitig und lud keinen älteren Spielstand, wurde das schnell frustrierend - oder man startete neu und scheiterte möglicherweise erneut. Spätere Titel von Lucasarts vermieden fortan solche Fallstricke, doch bei Maniac Mansion sollte man selbst heute noch aufpassen. Ein allzu langes Adventure ist der Klassiker wahrlich nicht; in wenigen Stunden packt man es in der Regel durch. Beim ersten Mal kann es freilich länger dauern, aber die alternativen Lösungswege motivieren zum erneuten Spielen. Die Atmosphäre und das herrliche absurde Szenario machen auch heute noch den Reiz dieses Adventures aus, und wer es damals - wie ich - als erstes PC-Spiel überhaupt erlebt habt, spürt sofort wieder die kindliche Faszination von einst.
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Die "Deluxe Editon" bringt ein paar Schmankerl aus dem offiziellen Nachfolger "Day of the Tentacle" mit, z.B. die angepasste Schrift für die Verben-Leiste sowie den Soundtrack, der einfach hervorragend zum ganzen Szenario von Maniac Mansion passt. Auf heutigen Monitoren pixelt die Grafik natürlich ziemlich arg, doch das gehört eben zur unverwechselbaren Optik dieser Spielegeneration. Nunmehr 256 Farben statt 16 aus der Palette verfügbar zu haben, macht den Anblick allerdings erträglich. Ohne die klassische Optik wären Maniac Mansion und seine Nachfolger nicht das, was sie sind.
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Das Spiel gibt es in der Deluxe-Variante kostenlos - wer auf Klassiker steht, sollte es sich unbedingt herunterladen. Mir hat es große Freude bereitet, und ich habe mich mal wieder wie der kleine Junge gefühlt, der ich beim ersten Spielen damals war. Ich empfehle es jedenfalls allen Freunden der Lucasarts-Klassiker. Der ganz große Hit ist Maniac Mansion im direkten Vergleich zu seinen berühmten Nachfolgern freilich nicht, aber es war definitiv der Beginn einer Erfolgsserie, die Spielegeschichte geschrieben hat! Zu seinem 30. Geburtstag gilt: Empfehlenswert. :yes:
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Re: Retro-Blick auf: "Maniac Mansion"

Beitrag von Luke »

Hachja, das Panzerschott, jetzt erinnere ich mich wieder. :D Das waren noch Zeiten. Ich weiss nicht mehr genau, musste man das nur einmal machen oder mehrmals?

Das man in einem Adventure oder generell in einem Spiel in eine Sackgasse geraten kann, ist übrigens eine der schlimmsten Design-Fehlentscheidungen der Spiele-Industrie. :thwack: So etwas darf es in einem Spiel absolut nicht geben, weil das für Frust und schlicht für verschwendete Lebenszeit sorgt, wenn man es nicht bemerkt.

Ich habe übrigens Maniac Mansion erst nach Zak McKraken gespielt und für letzteres hab ich - auf dem Amiga nebenbei bemerkt - ein halbes Jahr gebraucht. Zak McKraken war also mein allererstes LA Adventure und ab da gabs kein Halten mehr. Die ersten Text Adventures oder auch die ersten Grafik Adventures haben mich dagegen nie begeistert. Erst mit den LA Adventures hab ich wirklich gerne Adventures gespielt, weil die Bedienung grandios war. Bei den "klassischen" Grafik-Adventures - das war mit Sicherheit vor deiner Zeit Chris :D - war dagegen schon die Bedienung ein echtes Abenteuer.
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Re: Retro-Blick auf: "Maniac Mansion"

Beitrag von Arrow »

Luke hat geschrieben:Hachja, das Panzerschott, jetzt erinnere ich mich wieder. :D Das waren noch Zeiten. Ich weiss nicht mehr genau, musste man das nur einmal machen oder mehrmals?
Soweit ich weiß, nur einmal am Anfang. Bei der Deluxe-Fassung ohne Kopierschutz steht das Schott sofort offen.
Luke hat geschrieben:Das man in einem Adventure oder generell in einem Spiel in eine Sackgasse geraten kann, ist übrigens eine der schlimmsten Design-Fehlentscheidungen der Spiele-Industrie. :thwack: So etwas darf es in einem Spiel absolut nicht geben, weil das für Frust und schlicht für verschwendete Lebenszeit sorgt, wenn man es nicht bemerkt.
Absolut. Ich glaube, Lucasarts wäre mit seinen Adventures auch nicht so erfolgreich gewesen, wenn sie in späteren Spielen ähnliche Fallen eingebaut hätten. Maniac Mansion blieb zum Glück eine Ausnahme. Kritisch waren ja einige Gegenstände, die man nur auf eine Art verwenden durfte, um weiterzukommen. Ich sag' nur "Farbentferner" ... Gibst du den dem Grünen Tentakel gegen den Durst, kannst du woanders eine wichtige Tür nicht mehr sichtbar machen - und das war's dann schon. Das musste man erst einmal wissen. Dazu kommen viele Items, die man gar nicht benötigt, aber trotzdem mit sich herumschleppt. Warum ist der Farbentferner notwendig, aber die Kettensäge nicht? Das Spiel verlockt zum Ausprobieren, doch wehe, du verschwendest dabei den falschen Gegenstand. Hier ist es keine Schande, wenigstens mal einen Blick in die Komplettlösung zu werfen. ;)
Luke hat geschrieben:Ich habe übrigens Maniac Mansion erst nach Zak McKraken gespielt und für letzteres hab ich - auf dem Amiga nebenbei bemerkt - ein halbes Jahr gebraucht. Zak McKraken war also mein allererstes LA Adventure und ab da gabs kein Halten mehr. Die ersten Text Adventures oder auch die ersten Grafik Adventures haben mich dagegen nie begeistert. Erst mit den LA Adventures hab ich wirklich gerne Adventures gespielt, weil die Bedienung grandios war. Bei den "klassischen" Grafik-Adventures - das war mit Sicherheit vor deiner Zeit Chris :D - war dagegen schon die Bedienung ein echtes Abenteuer.
Die ganz alten Textadventures würde ich heute auch nicht mehr anrühren. Ich denke, gerade dieses Genre hatte eine grafisch-malerische Darstellung dringend nötig, sei sie auch noch so rudimentär. Die Phantasie erledigt sowieso den Rest. Das funktioniert bei vielen Adventures im "VGA-Stil" heute immer noch sehr gut. Kennt man sie noch von früher, wirkt der alte Zauber gleich noch einmal so gut, weil sofort auch Erinnerungen hochkommen. :)
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