SW Episode VII: Ist nun wirklich alles wieder gut?

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SW Episode VII: Ist nun wirklich alles wieder gut?

Beitrag von Arrow »

Die Tage habe ich mir "Das Erwachen der Macht" auf BluRay angeschaut, getreu der Devise: Bewerte keinen Kinohit, den du nicht nach einer gewissen Pause auch auf dem Fernseher zu Hause angeschaut hast. Auf kleinerer Bildschirmdiagonale und ohne großes Mediengedöns im Nacken blättert bei vielen Filmen der oftmals unverdiente, hochgejazzte Bombast ab und zurück bleibt ein Filmerlebnis, das man qualitativ viel realistischer bewerten kann. Das war schon bei "Avatar" so, dem man im TV auch schnell ansah, dass er weltweit etwas überbewertet wurde.
SW VII war also längst fällig, kaltes Bier und Cola standen bereit, das uralte TIE-Fighter-Modell war als Handschmeichler griffbereit, los ging's also.

Was ich gesehen habe, war ein ein recht unterhaltsamer Hochglanz-SF-Film mit schönen Effekten, teilweise annehmbaren Darstellern und alten, altgewordenen Bekannten. Langweilig wurde der Film an keiner Stelle, besonders gut oder - horrible dictu - sogar kultig allerdings auch nicht. Nach der letzten Trilogie war mir schon fast alles egal gewesen, denn eigentlich konnte es nur noch besser werden. Lucas persönlich schrieb damals die Drehbücher und führte Regie; herausgekommen war ein zähes, überambitioniertes Mammutwerk, das völlig überfrachtet, konstruiert und über weite Strecken völlig unglaubwürdig war. Dies kann man dem Auftakt der neuen Trilogie nicht bescheinigen. Wo zuvor noch alles verworren war, ist hier alles fast schon verspielt einfach: Droide mit geheimen Daten auf Wüstenplaneten, Bedrohung, Flucht, Infiltration, dazwischen Kampf und am Ende ein Duell. Hat man alles in Episode, IV und teilweise V schon einmal gesehen, doch im Gegensatz zu damals fehlt in VII einfach das märchenhaft Mythische. Stattdessen gibt's nun an fast jeder Ecke Fan-Service, dafür aber so gut wie nichts Neues oder Überraschendes. Erst wundert man sich, wenn man liest, dass Lawrence Kasdan (Ep. V) das Drehbuch dazu verfasst haben soll, doch dann erfährt man, dass auch J.J. Abrams daran mitgeschrieben hat. Da wundert's einen dann schon weniger. Überhaupt merkt man dem Film an jeder Stelle an, dass das Motto "bloß keine Experimente" jedem der Autoren vorher quasi per Schwedentrunk eingetrichtert worden sein muss. Nichts wurde hier dem Zufall überlassen: Altbewährtes statt Eigenständiges, Neuadaption statt wirklicher Fortsetzung. So etwas muss nicht zwangsläufig schlecht ausfallen, aber besonders toll ist diese pflichtschuldig runtergeleierte Auftragsarbeit des Franchise-Resteverwalters Abrams nun auch nicht. Hatte sich die Trilogie zuvor noch viel zu bierernst genommen, wenn es um Jedi und Macht ging, so geht's bei den neuen Jungspunden dafür viel zu locker-flockig und trivial zu. Es schlägt die Stunde der "Wunderamateure": Jedi-Fähigkeiten müssen ab sofort nicht mehr durch Anleitung und zumindest rudimentäres Training erlangt werden, sondern stehen ad hoc zur Verfügung, wenn die Autoren gerade nicht wissen, wie die machtempfindliche Rey ihre Fesseln loswerden soll. Und Lichtschwertkämpfe gegen versiertere Machtnutzer sind trotz fehlender Ausbildung plötzlich auch kein Problem mehr, wenn der Schurke vorher Han Solo ermordet hat.
Apropos Machtnutzer: Was sind das eigentlich für Antagonisten, mit denen man es zu tun hat?
Der "First Oder" (wer hatte eigentlich die blödsinnige Idee, das mit "Erste Ordnung" zu übersetzen?) ist eine Art Nachfolgeorganisation des guten alten Imperiums mit weniger Macht, aber dafür gleichen Zielen. Obwohl sie eine Kampfstation haben, die den Todesstern von einst alt aussehen lässt, interessiert sich die Neue Republik (einmal erwähnt!) für diese tödliche Bedrohung offenbar gar nicht. Vielmehr gibt es 30 Jahre nach dem Tod des Imperators nun einen sogenannten "Widerstand", der zwar angeblich von der Republik unterstützt wird, aber ansonsten unabhängig von den richtigen Streitkräften einen Kampf gegen die neuen/alten Feinde führt. Vorbei sind die Zeiten des gewachsenen "Expanded Universe", jetzt kommt das "Abramsverse", nach Star Trek nun auch für Star Wars, und Leia darf ab sofort General einer Kampfgruppe sein, die eins zu eins der Rebellen-Allianz gleicht. Das sind also die neuen Machtverhältnisse des Abrams-Star Wars. Die Kernwelten der Republik werden dann auch mal eben ausgelöscht, was im Film gar nicht so richtig deutlich wird, denn eine besondere Rolle spielt die neue Administration der Galaxie ohnehin nicht. Da hätte man schon den Namen "Curuscant" erwähnen müssen, doch stattdessen fiel ein anderer Name, den niemand kennt und daher auch nicht mit der Regierung assoziiert.
Obermotz der "Ersten Ordnung" ist ein hässliches CGI-Alien namens Snoke, das "Oberster Anführer" genannt wird, da im deutschen Sprachraum "leader" auf keinen Fall mit "Führer" übersetzt wird. Mich haben seine wenigen Auftritte nicht beeindruckt, denn viel hatte er nicht zu sagen, und warum Andy Serkis für diese eher schlechte Animation sein Gesicht hergeben musste, ist mir auch nicht klar. Wichtiger ist da schon der zweite Mann in der Reihe, namens Kylo Ren, der offenbar irgendeinem Ritterorden angehört, was aber nicht weiter erwähnt wird. Auch hier wieder jugendliche Amateure in Aktion: Kylo Ren ist im Vergleich zu Darth Vader eher ein mittelprächtiger Cosplayer mit einer neuen Spielart von Lichtschwert und ein paar Zaubertricks. Ansonsten wirkt er wie ein verzogener Bengel mit Vaterkomplex sowie einem Fetisch für Opas verbeulten Wehrmachtshelm, zu dem er gerne mal spricht. Als er schließlich den eigenen (dämlichen) Helm abnahm, war es für mich vorbei. Ein langweiliges Mondgesicht, das nur deswegen halbwegs interessant war, weil man es uns als Sohn von Han Solo vorgstellt hatte. Bedrohlich wirkte er trotz seiner Aggro-Anfälle jedenfalls keinen Meter, und besonders viel hatte er am Ende auch nicht drauf. Sich von einer unerfahrenen 45 kg-Frau derartig verdreschen zu lassen, degradiert ihn in Punkto Bedrohung fast schon auf das Niveau eines Jar Jar Bings. Was ist das eigentlich für ein neues Jugend-Imperium? Im Vergleich zur Wehrmacht wäre die "Neue Ordnung" gewissermaßen die Hitlerjugend. Früher, in den klassischen Filmen, kommandierten imperiale Admirale und Generale mit deutlich mehr als 50 Jahren auf dem Buckel, doch jetzt darf schon ein 31jähriger Darsteller als "General Hux" auftreten. Die Frauenquote unter den Sturmtruppen erfüllt derweil Darstellerin Gwendoline Christie als "Captain Phasma", von der aufgrund der Panzerung absolut nichts zu sehen ist. Hätte man sich doch komplett sparen und stattdessen einen männlichen Komparsen casten können. Die Stimme hätte Christie ebenso gut nachvertonen können. Verschenkt und völlig unnötig. Was wurde nicht nach dem Trailer noch darüber spekuliert ... Am Ende bleibt ein Charakter für die Spielfigurensammlung aus Plastik.
Übrigens, wer sich an meinen häufigen Wehrmacht/Nazi-Analogien stört, muss bedenken, dass das Galaktische Imperium schon immer solche Assoziationen herstellen sollte. Man denke an die Uniformen der Offiziere mit ihren Schaftstiefeln sowie dem feldgrauen Waffenrock mit Stehkragen nebst Koppel. Episode VII treibt es mit der Ähnlichkeit noch weiter. Die Szene, in der General Hux vor seiner angetretenen Truppe seine Brandrede für den Angriff hält, ist mit Nazi-Ästhetik geradezu vollgestopft: es dominieren schwarz-weiß-rote Farben auf Bannern und Standarten -, ein Hakenkreuz würde in dieser Szene kaum noch auffallen.

Nein, in diesem Film sind alle erstaunlich jung - bis auf die Alten natürlich. Immerhin haben Han Solo, Leia und Chewbacca ihre Rollen wieder. Im Trailer wurde Harrison Fords Wiederkehr noch bejubelt - auch ich fand die Szene irgendwie klasse -, doch im Nachhinein bin ich ernüchtert. Ford ist schlicht und ergreifend zu alt, um die Rolle des legendären Weltraumrebellen- und Schmugglers noch glaubwürdig zu verkörpern.In Episode VII leiert Ford seine Zeilen genauso lustlos runter, wie er es schon in seinen letzten Filmen getan hat (den letzten Indiana Jones noch in Einnerung?). Hier ist er endgültig nur noch Fan-Service sowie ein dramaturgisches Element. Dass ihm letztlich sein berühmtes Schiff auch noch gestohlen wurde und er es allein durch einen unglaublichen Zufall wiederfindet, nur damit er irgendwie in die Handlung eingebunden werden konnte, zeigt mir, dass Abrams selbst nicht wusste, was er mit der Figur eigentlich anstellen wollte, außer sie sterben zu lassen. Die interessanteste neue Figur des Film ist übrigens Poe Dameron, eine Art Kreuzung aus Han Solo, Wedge Antilles und Luke Skywalker. Aber natürlich taucht er lediglich am Anfang und Ende noch einmal groß auf. Das soll sich in den kommenden Filmen ändern, dennoch hätte ich gerne mehr von ihm gesehen.

Was ist nicht alles über die angebliche "Politische Korrektheit" des neuen Star Wars gelästert worden: Junge Frau mit Instantkräften statt junger Mann, ein Schwarzer als zweite Hauptfigur ... Darüber kann man freilich denken, was man will, aber letztlich war die Idee eines Deserteurs unter den Sturmtruppen m.E. einer der wenigen frischen Ideen des Franchise' für diesen Film. Großartig genutzt wurde diese Idee leider auch nicht gerade: Desertion - Seitenwechsel - Guter Freund, Sidekick. Das hätte man auch besser lösen können.
Der Rest verliert sich leider im Kitsch sowie in einer dramatischen Zuspitzung, die direkt aus Episode IV übernommen wurde: Die Superwaffe kann bald schießen, also muss sie vorher von unseren Helden von Innen gesprengt werden. Fortan schlägt die Abrams' sche Schwachsinnstechnologie endgültig zu. Die "Starkiller-Basis" kann also ganze Sterne (!) absaugen, speichern und danach gleich mehrere Planeten auf einmal zerstören. Die Salven bewegen sich natürlich mit Über-Lichtgeschwidigkeit und treffen ihre Opfer Lichtjahre entfernt freilich ohne jede Vorwarnung. Bei der Ausschlachtung von Star Trek musste die neu erfundene "Rote Materie" noch fürs unmotivierte Inferno herhalten, jetzt haben wir jedoch "Starkiller" als neueste Ober-Überwaffe. Da entblödet man sich auch nicht, in der Einsatzbesprechung zuvor noch schnell den alten Todesstern einzublenden und zu verharmlosen. Höher, weiter, schneller - es musste halt noch eine größere Superwaffe her. Ernstnehmen konnte ich das jedoch nicht mehr. "Todesstern" mag zwar schon immer ein etwas klischeehafter Name gewesen sein, doch immerhin hat er es inzwischen in den Wortschatz der aktuellen Popkultur gebracht. Er wirkt noch heute irgendwie bedrohlich und übermächtig und taucht manchmal als Metapher auf. So etwas funktionert allerdings nur einmal; "Starkiller Basis" wiederum ist ein epigonaler Superlativ, der niemals mehr sein wird als ein effektheischendes Drehbuch-Konstrukt zur Schaffnung einer Bedrohungslage. Weder kann man das Ding wirklich ernstnehmen, noch wird man die Funktionsweise akzeptieren. Hier bewegen wir uns direkt auf dem Niveau der "Fanfiction", denn nur dort gehören solche albernen Superwaffen zu den Bedrohungen, wenn einem sonst nichts besseres mehr einfällt. Allein der Name "Starkiller Base" ist so himmelschreiend albern, dass er selbst den Machern der Serie "Raumpatrouille Orion" zu affektheischend und plakativ erschienen wäre -, und die hatten immerhin noch ihren mächtigen "Overkill" als letzte Maßnahme!

Vieles in diesem Film ist so absurd, dass man gar keine Lust mehr bekommt, über die zahlreichen Logikfehler und krassen Irrungen nachzudenken. Wenn ich selbst schon nicht mehr so richtig "reinkomme" in dieses Universum, warum sollte ich mir dann noch den Kopf darüber zerbrechen, wie die "Neue Ordnung" es geschafft hat, einen Planeten zum Kampfstations-Hybriden umzubauen (oder gar umgekehrt?) und Sonnen "abzusaugen", ohne dass die Oberfläche unbewohnbar wird. Es interessiert mich schlicht und ergreifend nicht, und das ist für mich kein gutes Zeichen. Ich weiß nicht, ob ich mit diesem neuen Star Wars warm werde, aber der alte Funke will einfach nicht so recht überspringen. Die Trickeffekte sind natürlich vom Feinsten, doch irgendwie finde ich die alten Modelle an Drahtseilen der klassischen Trilogie dann doch beeindruckender. Vielleicht ist die Übertragung klassischer Designs von vor knapp 40 Jahren in die heutige Zeit doch problematischer als gedacht. Als z.B. die Sturmtruppen in einem Waldgebiet in Aktion treten, fällt plötzlich auf, wie plump und unbeweglich sie in ihren Panzerungen eigentlich sind. Dazu noch die strahlend weißen Anzüge, die sie zu Zielscheiben machen, während ihre schweren Harnische weiterhin keinen Schutz vor Treffern bieten. Irgendwie wirkt das sehr altmodisch und aus der Zeit gefallen. X-Wings und TIE-Fighter sind zwar allesamt moderat modernisiert worden, doch so cool wie früher wirken sie jetzt auch nicht mehr. Vielleicht kann man mir's auch schlicht nicht rechtmachen, aber für mich fühlt sich Episode VII an wie ein extrem teurer Fan-Film ohne eigene Ideen, der aber alle Fans ansprechen soll.
Ein großes Problem ist auch der historisch-politische Rahmen dieser neuen Ära. Über 30 Jahre sind vergangen, aber man erfährt so gut wie nichts darüber, was sich nach der Schlacht um Endor alles getan hat. Wer den Krieg wie gewonnen hat, ist nicht richtig klar, und weshalb es einen "Widerstand" braucht, wenn es doch eine neue Republik gibt, erschließt sich überhaupt nicht. Der Zeitsprung ist einfach zu groß, als dass man ihn mit ein paar Prolog-Zeilen abhandeln könnte. Darüber hinaus wird viel zu viel von Luke Skywalker geredet, obwohl er im Film so gut wie keine Rolle spielt. Man weiß nicht so recht, woran man hier ist und fühlt sich schlicht nicht zu Hause.

Möglicherweise wird sich in den beiden Fortsetzungen einiges aufklären, dennoch fühlt sich dieser Ep.VII-Einstand noch sehr fremd an -, wie eben ein Fanfilm in einer möglichen Zukunft. Das klassische SW-Feeling will sich zumindest bei mir nicht einstellen; das schafffen selbst kanonische Jugendserien wie "Star Wars Rebels" weitaus besser. Dort kündigt der Trailer zur dritten Staffel sogar die Kanonisierung einer der interssantesten und populärsten Figuren aus dem ehemaligen "Expanded Universe" an: Großadmiral Thrawn. Und das ist in meinen Augen momentan wesentlich spannender als der zeitlich weit entfernte Handlungsbogen von "Das Erwachen der Macht". Gleichzeitig lockt ein "Rogue One" mit den Vorzügen der Guten alten Zeit bzw. einem Blick in die Vergangenheit, wo es noch ein ordentliches Imperium gab, das man ernstnehmen konnte. Dessen Trailer versprüht schon jetzt bei weitem mehr SW-Charme als Abrams' "Wir machen es allen irgendwie recht"- Machwerk. Sprich, die Familien-Soap um Han und Leias missratenen Sohn im Kampf gegen eine Jugendfeuerwehr mit Superwaffe und Instand-Jedi reißt mich schon vom Konzept her nicht vom Hocker. Der Kampf um die Baupläne des ersten Todessterns oder der Beginn der Rebellion gegen das Imperium sind da um Welten packender. Wie gesagt, dies war nur der Auftakt einer Trilogie, doch für eine richtige Fortsetzung nach über 30 Jahren sollte man dem Publikum schon etwas mehr bieten als den faden Neuaufguss alter Storys in einer schlecht etablierten, undurchdachten Zukunft. Das ehemalige und nun nicht mehr kanonische "Expanded Universe" bot sicher auch jede Menge Schund, doch die Zeit nach Episode VI wurde dort glaubwürdiger erzählt und etabliert.

Nein, wieder gut ist da noch lange nichts. Das könnte es aber immer noch werden. Jagt nur endlich diesen völlig überschätzen Auftrags-Stümper J.J. Abrams (nebst seinen Drehbuch-Kumpels) vom Hof und am besten aus dem ganzen Sci-Fi-Genre! Wer als angeblicher Trekkie schon derartig versagt hat, kann und darf doch nicht der Hoffnungsträger für Star Wars sein. Vor zwanzig Jahren wäre eine solche Grenzüberschreitung gar nicht denkbar gewesen, doch heutzutage darf unter dem Deckmantel des großen Namens anscheinend alles und jeder werkeln: Wenn es nur halbwegs gute Einnahmen verspricht. Wer dreht und schreibt den nächten Teil? Adam Sandler im Gespann mit Danny DeVito? Mittlerweile ist doch alles möglich.
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Re: SW Episode VII: Ist nun wirklich alles wieder gut?

Beitrag von Death Angel »

Tja, wie ich deine Review zu lesen begonnen habe, hätte ich nicht gedacht das ich das jetzt sagen muss, aber ich muss dir leider in allen erwähnten Punkten Recht geben.

Trotzdem ein paar recht bunt zusammengewürfelte Gedanken meinerseits.

Nach den Prequels-Desaster war ich bei Episode VII schon von anfang an um einiges vorsichtiger. Die Trailer konnten mich dann auch nicht überzeugen - da war absolut nichts neues drinnen - TIE Fighter mit weissen Flügeln - wie innovativ, die X-Wings jetzt mit den Engines des uralten Ralph McQuarrie-Designs - da haben sie aber was gewagt... diese Liste könnte man mit Todesplanet, bösen Obermotz mit Schüler, naive unwissende Machtbegabte etc. beliebig weiterführen... Oh, eines muss ich dann doch erwähnen, das neue imperiale (First Order) Shuttle mit den gefühlt 300 Meter langen Flügeln... ähm, ja...

...und dann habe ich den Film gesehen und es wurde nicht besser. Du hast da eh schon eine erschöpfende Aufzählung des Chaos gemacht das da verbrochen wurde (und hast dabei gnädigerweise noch das eine und andere verschwiegen ;) ).
Für mich ist der Film einfach vollkommen belanglos. Er fügt dem Star Wars Universum absolut nichts neues oder erinnernungswürdiges hinzu. Er ist eine einzige Wiederholung.

Was ich da einfach nicht verstehe, Disney hat soviel Kohle, die könnten die besten Drehbuch- oder Buchautoren engagieren um ihnen eine wirklich gute, packende Geschichte zu schreiben, stattdessen kommt etwas raus, was irgendjemand in einer Pinkelpause auf ein halbes Stück Klopapier kritzeln kann - und wahrscheinlich auch getan hat.

Man kann nur hoffen das sie sich mit Episode VIII und neuem Regisseur etwas mehr trauen und nicht nur das altbekannte erneut wiederkäuen, denn ganz ehrlich, wenn ich Episode IV sehen will dann sehe ich mir Episode IV an.

Gibts auch was Positives? Mal überlegen, die neuen Schauspieler fand ich mit Ausnahme von Kylo Ren und den viel zu jungen Imperialen Anführer (ich meine den Offizier, nicht Snoke) eigentlich nicht schlecht. Rey ist ok, Fin geht so und aus Poe könnte man wirklich was machen.

Was die "Alten" angeht. Sehe es auch so, Harrison Ford ist mittlerweile zu alt. Wie er bei dem First Order-Angriff da zwischen den Trümmern hervorspringt (oder es zumindest versucht) hätte ich ihm am liebsten eine Krücke in die Hand gedrückt. Ich fürchte mich ehrlich schon vor dem neuen Indy Film und Blade Runner 2!
Zu Carrie Fisher sage ich besser nicht viel - nur Mimik ist mit diesem Gesicht wohl nicht mehr möglich.
Mark Hamill sah in den einem Shot eigentlich am Besten aus.
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Re: SW Episode VII: Ist nun wirklich alles wieder gut?

Beitrag von Luke »

Meine Kritik fällt zwar nicht ganz so hart aus wie eure, muss aber in vielen Punkten zustimmen. Wenn man VII als Übergang zu den nachfolgenden Episoden "konstruiert" hat, wäre es für mich OK. Ich fand aber auch schon die Episoden I-III gut, trotz ein paar Mängel. Gut, VII war kein schlechter Film, aber insgesamt der eher schwächste Teil bisher. Das Rey ohne Ausbildung solche Power hat, kann ich mir zumindest so erklären, das sie entweder einfach ein Naturtalent ist, oder die Macht extrem stark bei ihr ist. Diese Darth Vader Lite Version kann ich allerdings nicht ernst nehmen. :lol:

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Re: SW Episode VII: Ist nun wirklich alles wieder gut?

Beitrag von Arrow »

Death Angel hat geschrieben: Nach den Prequels-Desaster war ich bei Episode VII schon von anfang an um einiges vorsichtiger. Die Trailer konnten mich dann auch nicht überzeugen - da war absolut nichts neues drinnen - TIE Fighter mit weissen Flügeln - wie innovativ, die X-Wings jetzt mit den Engines des uralten Ralph McQuarrie-Designs - da haben sie aber was gewagt... diese Liste könnte man mit Todesplanet, bösen Obermotz mit Schüler, naive unwissende Machtbegabte etc. beliebig weiterführen... Oh, eines muss ich dann doch erwähnen, das neue imperiale (First Order) Shuttle mit den gefühlt 300 Meter langen Flügeln... ähm, ja...
Das haben die Star Wars-Trailer an sich, dass man sich daraus absolut nichts über den kommenden Film zusammenreimen kann. Da werden ziemlich willkürliche Szenen-Fragmente ohne jede chronologische Ordnung aneinandergereiht, das Ganze mit Fanfaren unterlegt, und schon wird weltweit gejubelt. Die ganz besonders Neugierigen analysieren den Schnipsel dann Frame für Frame und deuteln daraus alle möglichen Inhalte - wie beim Kaffeesatzlesen. Schon damals beim Episode I-Trailer fiel mir auf, dass man den Fans quasi alles vorsetzen kann, um sie zu begeistern. Der Kater kam dann schneller als gedacht. Eines konnte man beim aktuellen Trailer jedoch von Anfang an feststellen: An den altbewährten Ideen und Designs wollte man nicht rühren. Alles muss weiterhin auf einen Blick erkennbar sein. Der modernisierte X-Wing orientiert sich tatsächlich an alten Konzeptzeichnungen, die TIE-Jäger bekamen nur einen neuen, eher langweiligen Anstrich, und die neuen Sternzerstörer waren eher flüchtig zu sehen. Doch will man's eigentlich? Da hatte selbst die Prequel-Trilogie in Punkto Raumschiffe mehr neues zu bieten. Stattdessen wurde das Alte aufgewertet sowie ins gigantische hochskaliert, siehe "Starkiller Basis". Übrigens stammt der Name "Starkiller" soweit ich weiß ebenfalls aus einem uralten Entwurf zu Episode 4. Längst verworfene Ideen werden hier aus dem Hut gezaubert. Da hat jemand fleißig die Archive durchstöbert ...
Death Angel hat geschrieben:...und dann habe ich den Film gesehen und es wurde nicht besser. Du hast da eh schon eine erschöpfende Aufzählung des Chaos gemacht das da verbrochen wurde (und hast dabei gnädigerweise noch das eine und andere verschwiegen ;) ).
Für mich ist der Film einfach vollkommen belanglos. Er fügt dem Star Wars Universum absolut nichts neues oder erinnernungswürdiges hinzu. Er ist eine einzige Wiederholung.

Was ich da einfach nicht verstehe, Disney hat soviel Kohle, die könnten die besten Drehbuch- oder Buchautoren engagieren um ihnen eine wirklich gute, packende Geschichte zu schreiben, stattdessen kommt etwas raus, was irgendjemand in einer Pinkelpause auf ein halbes Stück Klopapier kritzeln kann - und wahrscheinlich auch getan hat.

Man kann nur hoffen das sie sich mit Episode VIII und neuem Regisseur etwas mehr trauen und nicht nur das altbekannte erneut wiederkäuen, denn ganz ehrlich, wenn ich Episode IV sehen will dann sehe ich mir Episode IV an.
Ich habe mich auf einige Punkte beschränkt, die mir besonders negativ aufgefallen sind, aber natürlich könnte ich noch vieles mehr aufzählen und genüsslich auseinandernehmen. Vieles würde man unter anderen Voraussetzungen schlicht verzeihen, doch hier stimmen ein paar fundamentale Dinge nicht, und so klappt bei mir auch keine Fanbrille herunter, die diese Schwächen herausfiltert. Schlimmer wirkt da, dass mich Desinteresse überkommt und ich die Sache mit einem Schulterzucken abtue. Ich tauche einfach (noch) nicht ab in dieses neue Star Wars, das weder das gute Alte wiederaufleben lassen kann, noch das Franchise voranbringt. Man hängt irgendwo verunsichert in der Mitte, traut sich keine eigene Idee zu und geht lieber auf Nummer sicher. Die Leute werden sowieso in die Kinos rennen, und nach zwei bis drei Wochen sind die Produktionskosten eingefahren. Möglicherweise war ich zu vorschnell, J.J. Abrams dafür allein verantwortlich zu machen, auch, wenn ich ihn weiterhin für den falschen Mann und völlig überschätzt halte. Vielleicht hat es vonseiten Disney strenge Vorgaben gegeben, aus denen die Autoren gar nicht ausbrechen durften. Leider bringt der Versuch, es möglichst allen rechtzumachen, fast immer Probleme mit sich.

Das krampfhafte Festhalten an alten Konzepten wird bei Episode VII vielerorts als Retro-Charme schöngeredet, obwohl es einfach nur altbacken ist. Andererseits sind viele Aspekte des Films auch schlicht nicht gut gemacht, unausgegoren oder unglaubwürdig. Wieso wird z.B. der Sohn von Han Solo von dieser Knallcharge gespielt? Das ist kein Nachwuchsbösewicht, sondern ein Fall fürs Jugendamt. Was sollte diese Rahmenhandlung um Luke Skywalkers Versteckspiel? Wäre er von Anfang an dabei gewesen, hätte sich die Sache mit Kylo Ren schnell erledigt gehabt. Ein paar hinter die Ohren und Lichtschwert-Verbot auf Lebenszeit. Stattdessen wird ein Bohei um diese Sternenkarten-Fragmente veranstaltet, die sich letztlich zusammensetzen, weil R2D2 wie von Zauberhand erwacht. Wieso das eigentlich? Hier scheint man wohl einfach auf Zeit zu spielen.

Das größte Problem bleibt aber wie gesagt die unklare geopolitische Situation dieses neuen Star Wars. In der Prequel-Trilogie gab es ein verwirrendes Machtspiel mit allen möglichen Intrigen, doch immerhin war klar, dass die Republik ihrem Untergang entgegentaumelte. Wo ist die (Neue) Republik hier? Zuvor noch diese totgeleierte machtpolitische Analogie auf die Römische Republik, jetzt die völlige Abwesenheit jeglicher Ordnung. Wo sind die neuen Machtzentralen in der Galaxie? Was ist nach Episode VI geschehen? Nichts erfahren wir, weil kaum etwas etabliert wird. Alles scheint beliebig zu sein, oder es ist sogar noch nicht zuende gedacht.
Death Angel hat geschrieben:Gibts auch was Positives? Mal überlegen, die neuen Schauspieler fand ich mit Ausnahme von Kylo Ren und den viel zu jungen Imperialen Anführer (ich meine den Offizier, nicht Snoke) eigentlich nicht schlecht. Rey ist ok, Fin geht so und aus Poe könnte man wirklich was machen.

Was die "Alten" angeht. Sehe es auch so, Harrison Ford ist mittlerweile zu alt. Wie er bei dem First Order-Angriff da zwischen den Trümmern hervorspringt (oder es zumindest versucht) hätte ich ihm am liebsten eine Krücke in die Hand gedrückt. Ich fürchte mich ehrlich schon vor dem neuen Indy Film und Blade Runner 2!
Zu Carrie Fisher sage ich besser nicht viel - nur Mimik ist mit diesem Gesicht wohl nicht mehr möglich.
Mark Hamill sah in den einem Shot eigentlich am Besten aus.
"Rey, is' ok!" Das passt wunderbar als Überschrift - vielleicht sollte ich das Thema noch mal umbenennen. ;) Okay, heißt eben Mittelmaß, und viel mehr gab es da leider nicht. Ja, aus Poe könnte man tatsächlich etwas machen. Zumindest hat man darauf verzichtet, ihn mit Finn zu einem "Buddy Movie" zusammenzuwürfeln. Zu Han Solo: Der Angriff im Wald war nicht die einzige Szene, in der Ford keine besonders gute Figur abgab. Allerdings hatte er auch keine besonders guten Dialoge. Er ist und bleibt der Held von einst und dient vor allem als hauptamtliche Kultfigur. Sein Auftritt kommt wirklich 20 Jahre zu spät, denn jetzt kann er auch physisch einfach nicht mehr den EInsatz bringen, wäre nicht der Krankenpfleger Chewbacca an seiner Seite. Ich fand es auch unpassend, dass er auf einmal so eine komische Vorliebe für Chewies Bogenspanner entwickelt und damit herumballert. Han Solos Blaster ist längst kult, er gehört zur Figur wie die Maske zu Vader, und schon immer wurde Solo als großer Revolverheld dargestellt. Doch nun entdeckt er plötzlich seine Freude an einem unhandlichen Schießprügel, der gar nicht für Menschenhände ausgelegt ist. Warum er alleine mit Chewie auf einer Art Trägerschiff herumfliegt, wurde auch nicht gerade geklärt. Das Drehbuch sah es eben vor, dass er urplötzlich sein altes Schiff wiederfindet und Rey und Finn begegnet ...
Über Carrie Fishers Auftritt ist ja schon viel gelästert worden. Leider zurecht. War das überhaupt ihr Gesicht, dass sich da (nicht) bewegte oder eine digitale Replik? Dass sie und Han getrennt oder geschieden sind, kann man fast noch als gelungene Parodie durchgehen lassen. Das größte SciFi-Traumpaar schlechthin ist nun alt, getrennt lebend, mit einem verkorksten Sohnemann als Klotz am Bein. Leider gibt es auch hier keine interessanten Dialoge, sondern nur ein paar Anspielungen auf vergangene Tage, lauwarme Scherze inklusive. Zudem bekommt man in den Szenen eine Vorstellung davon, wer in dieser Ehe die Hosen anhatte. Au weia. Jetzt verstehe ich auch, wieso Han seinen geliebten Falken so leichtfertig "verlieren" konnte: Die Kiste sollte bloß nicht in die Alimente einfließen.
Ansonsten gab's noch ein paar laue "der ist ja auch noch da"-Momente. Admiral Akbar hat immer noch seinen Posten inne. C3PO watschelt auch ein paar Male durchs Bild, um ein paar Stichworte abzusondern und um im Gespräch mit dem genervten Han Solo jedem klarzumachen, dass das vor 30 Jahren alles um ein Vielfaches cooler war.
Interessant auch die Einsatzbesprechung vor dem Angriff auf "Starkiller Basis": War das schon Parodie oder nur eine missglückte Szene? Da wird der alte Todesstern als Hologramm der neuen Bedrohung gegenübergestellt (größer!!) und Han Solo steht plötzlich wie ein Trottel dar, als er von einem neuen Superlaser spricht. Ätsch, du alter Narr! Laser gab's bei Star Wars. Hier sind wir im Abrams-Verse mit so netten postmodernen Späßen wie Roter Materie, künstlichen Supernovas oder eben Hyperraum-Massenvernichtungswaffen, die das Plasma eines Sterns in sich aufnehmen können, der hundertmal größer ist. Vorwarnzeit: 20 Sekunden. Ab in die zweite Reihe, Opa! Du fährst höchstens Taxi und darfst mit den jungen Leuten noch mal mitmarschieren, weil dein Sohn bei den anderen mitmacht, aber ansonsten war's das. Hinfort!
Also ich empfand das als ziemlich respektlos gegenüber den früheren Bedrohungen, insbesondere angesichts dieser Gurkentruppe.

Ich wollte gar nicht so weit ausholen - schon wieder zähle ich die Probleme des Films auf, obwohl ich oben anderes beteuert habe. Ich schaue am besten weiterhin "Star Wars Rebels", wo sich die dritte Staffel ankündigt. Ich kann die Serie empfehlen, auch wenn sie am Anfang etwas zu sehr auf Jugendliche getrimmt zu sein scheint. Der Ton hat sich mittlerweile einigermaßen verändert, und die Serie schildert inzwischen recht unterhaltsam den Beginn der Rebellion gegen das Imperium.
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Re: SW Episode VII: Ist nun wirklich alles wieder gut?

Beitrag von Arrow »

Luke hat geschrieben:Meine Kritik fällt zwar nicht ganz so hart aus wie eure, muss aber in vielen Punkten zustimmen. Wenn man VII als Übergang zu den nachfolgenden Episoden "konstruiert" hat, wäre es für mich OK.
Das Problem ist aber, dass man keinen Übergang zu den vorherigen Episoden geliefert hat. Wie gesagt, der Prologtext zu Beginn leistet das nicht; nach einer so langen Zeitspanne muss man den Zuschauern schon etwas mehr liefern, damit sie sich in diesem neuen Szenario zu Hause fühlen. Luke Skywalker ist verschollen? Schön und gut, aber wie ist denn nun eigentlich der Krieg ausgegangen? Klar, das Böse schläft nie, aber wieso gibt es schon wieder eine Streitmacht, die sich zum alten Regime/Imperium bekennt? Wer hat das Sagen? Herrscht wieder Freiheit - wie sind die Kräfteverhältnisse? Gibt es eigentlich neue SIth, oder verwenden wir nur das böse Wort nicht mehr? Ritter von Ren? Geh fort! All das wird recht plump umgangen, vielleicht später nachgereicht, aber eigentlich gehört so etwas vor eine "Fortsetzung". Anführungsstriche deshalb, weil wir es hier eigentlich schon fast mit einem Reboot zu tun haben.
Luke hat geschrieben:Das Rey ohne Ausbildung solche Power hat, kann ich mir zumindest so erklären, das sie entweder einfach ein Naturtalent ist, oder die Macht extrem stark bei ihr ist. Diese Darth Vader Lite Version kann ich allerdings nicht ernst nehmen. :lol:
Selbst wenn Rey ein Naturtalent mit autodidaktischen Rekordleistungen ist, hätte man dies in irgendeiner Form zeigen oder zumindest mit ein paar Dialogzeilen andeuten müssen. Selbst damals bei Luke wurde das getan: "Habe mit meiner T-16 früher Womb-Ratten erledigt, die waren auch nicht größer als zwei Meter", oder ähnlich. Der junge Luke war machtempfindlich und konnte bereits instinktiv einige seiner natürlichen Fähigkeiten und Reflexe steigern. Bewusst war ihm das vor der Begegnung mit Obi-Wan nicht. Nie im Leben hätte er einfach so den "Jedi-Gedankentrick" anwenden können, von einem Lichtschwert-Duell ganz zu schweigen. Bei Rey erscheint das wie die reinste Drehbuch-Verlegenheit: Sie hat die Kräfte quasi instant, weil die Situation es erfordert. Das ist einfach schlechte Autorenschaft. In Episode I-III wurde uns die Jedi-Ausbildung als disziplinierter Mönchsorden vorgestellt. Es gab regelrechte Glaubensdogmen sowie eine Schule, die bereits im Kindesalter ansetzte und viele Jahre in Anspruch nahm. Gut, auch bei Luke ging es scheinbar schnell, obwohl wir bis heute nicht wissen, wie lange er nun auf Dagobah in Ausbildung war, aber selbst danach war er Vader hoffnungslos unterlegen. Nun ist Kylo Ren mit Vader nicht im entferntesten zu vergleichen, aber der Bengel hat zumindest eine gewisse Ausbildung erhalten. Dass er von Rey aber dermaßen aufs Maul bekommt, obwohl sie noch nie ein Lichtschwert in der Hand gehalten hat, ist ein schlechter Witz. Das lässt sich bei allem guten Willen einfach nicht wegerklären.
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Re: SW Episode VII: Ist nun wirklich alles wieder gut?

Beitrag von Death Angel »

Kylo Ren kann bereits ganz zu Beginn Laserstrahlen mit der Macht aufhalten und so nebenbei festhalten während er Truppen befehligt und Leute verhört - loslassen tut er ihn ja erst als er dann wieder verschwindet - da sollte man schon annehmen das er nicht bloß über rudimentäre Machtfähigkeiten verfügt - und dann lässt er sich von einer ohne Ausbildung und Training gleich zweimal die Hosen runter ziehen - auch wenn Star Wars schon immer mehr Märchen im SciFi-Gewand war, das ist dann kaum nachzuvollziehen.
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Re: SW Episode VII: Ist nun wirklich alles wieder gut?

Beitrag von Arrow »

Death Angel hat geschrieben:Kylo Ren kann bereits ganz zu Beginn Laserstrahlen mit der Macht aufhalten und so nebenbei festhalten während er Truppen befehligt und Leute verhört - loslassen tut er ihn ja erst als er dann wieder verschwindet - da sollte man schon annehmen das er nicht bloß über rudimentäre Machtfähigkeiten verfügt - und dann lässt er sich von einer ohne Ausbildung und Training gleich zweimal die Hosen runter ziehen - auch wenn Star Wars schon immer mehr Märchen im SciFi-Gewand war, das ist dann kaum nachzuvollziehen.
Ja, Ren hatte schon einige Fähigkeiten, die er sich niemals selbst beigebracht haben kann. Wer sein Lehrer war/ist, dürfte noch interessant werden, aber ich frage mich schon jetzt, welchen dunklen Machtnutzer man uns diesmal unterjubeln wird. Einen vollwertigen Sithlord dürfte es nach der ehemals etablierten Zweierregel nicht mehr geben, denn Vader und Palpatine sind tot. Bleibt also nur ein weiterer Autodidakt oder irgendein abgefallener Schüler von damals. Man darf gespannt sein, obwohl ich befürchte, dass wir uns hier schon jetzt mehr Gedanken darüber machen als die Drehbuchautoren.
An eines müssen wir uns bei Star Wars aber gewöhnen: Ohne die ständige Dualität "helle Seite - dunkle Seite" wird es nie ablaufen. Das zeigte sich ja immer schon in den Erzeugnissen des "Expanded Universe". Immer gibt es einen neuen dunklen Jedi oder gar einen Klon des imperators, der den Kampf wieder aufnimmt, aufnehmen muss. Aus der Nummer kommt SW, wenn es weitergehen soll, einfach nicht heraus. Das ist schlicht und ergreifend ein strukturelles Konzept, das dem Franchise unterliegt.
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Re: SW Episode VII: Ist nun wirklich alles wieder gut?

Beitrag von Arrow »

Kommen wir mal gleich zum nächsten großen Projekt. Den aktuellen Trailer aus dem Sommer habt ihr sicher schon gesehen, aber ich setze ihn trotzdem mal rein.



Ich will jetzt gar nicht so viel daran herumdeuteln und jedes Einzelbild nach versteckten Details oder Hinweisen absuchen, wie das auf vielen YT-Kanälen passiert, aber ein paar Gedanken meinerseits dazu:
Mir gefällt das, was ich hier sehe - genau so sollte SW im Jahr 2016 aussehen. Außerdem ist das genau die Ära, in der man sich sofort wieder wie zu Hause fühlt. Die altbewährten Raumschiff-Designs in moderner Tricktechnik sehen spitze aus und wirken noch genauso stimmig wie vor knapp 40 Jahren. Die Bedrohung durch den Todesstern ist auch schon mit den Händen greifbar, und vor allem sehen wir hier wieder das gute alte Imperium, das man als Gegner ernstnehmen kann: Keine jugendliche Wehrsportgruppe, sondern graugewandete Offiziere mit polierten Knobelbechern, angeführt von einem grauhaarigen Admiral, dem man die militärische Erfahrung nebst passendem Alter sofort abnimmt. Wie er da schweigend mit wallendem Umhang durch die Reihen seiner Soldaten marschiert, versprüht er bereits mehr Autorität, als ein Kylo Ren es je könnte! Der Bengel würde in dieser Runde sowieso wie ein unpassender Clown wirken, da ja immerhin sein Großväterchen höchstselbst mit von der Partie ist.

Bei den Rebellen ist die Sache noch etwas unklar: Unverbrauchte Mittdreißiger-Darsteller, ein asiatischer Kampfmeister sowie der obligatorische Roboter. Oh, und natürlich Forest Whitaker - der erste Oscar-Preisträger in SW seit dem seligen Alec Guinness! Ist noch etwas zu früh, hier zu spekulieren.
Wie schon gesagt, bereits der Trailer ist ein schönes Revival alter Jäger- und Raumschifftypen, denen man zum Glück keinerlei Modifizierungen oder Verschlimmbesserungen angeklebt hat. In den Kampfszenen scheint es gut und kompromisslos zur Sache zu gehen. Das volle Arsenal ist wieder dabei, zu Lande und in der Luft. Mein Interesse ist geweckt.
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Re: SW Episode VII: Ist nun wirklich alles wieder gut?

Beitrag von Death Angel »

Auch der zweite Trailer macht Lust auf mehr. Hier scheint wirklich alles in die Zeit zu passen, was natürlich auch klarer ist als bei Episode 7, da hier durch die Original Trilogie bereits recht klar definiert ist, was es an verwendbaren Gerät zu geben hat.

Die Rebellentruppe erinnert mich immer an die glorreichen Sieben (bzw. deren Vorgänger, die sieben Samurai). Es ist natürlich alles dabei was dabei sein muss. Neben den bunt zusammengewürfelten menschlichen Darstellern unterschiedlicher Rassen und Hautfarben, gibt es auch den obligatorischen Droiden und natürlich ein Alien - der Droide erinnert mich da ein wenig an HK-47 aus Knights of the old Republic.

Meine Vorfreude auf Rogue One ist aber zur Zeit so groß wie schon lange nicht mehr bei einem Star Wars Film - genau genommen seit Episode 1. Damals fand ich die Trailer auch großartig, die folgenden Filme konnten das Versprochene dann aber nicht einmal ansatzweise halten. Ich kann nur hoffen, das es bei Rogue One nicht ähnlich ist wie bei Episode 1 (und vielen anderen Filmen heutzutage), dass der Trailer bereits ein Best Of der Szenen aus dem Film ist.

Noch ein Wort zu den Prequels: Ich bin kein Fan dieser Filme, aber ich akzeptiere und bewundere bis zu einem gewissen Grad was George Lucas hier versucht hat. Sowohl was Design, als auch die Geschichte angeht hat er hier was Neues versucht um sich von der Original Trilogie zu unterscheiden. Dafür ein dickes Lob. Leider sind aus den Prequels durch das reinstopfen von absolut unnötigem Material, welches weder der Entwicklung der Charaktere noch der Geschichte geholfen hat, schlechten Dialogen und dummen Slapstickeinlagen nur ein paar bestenfalls mittelmäßige Filme entstanden.
Und trotzdem, wenn ich jetzt was Episode 8 angeht, bereits von Parallelen zu Episode 5 lese, dann greife ich mir nur noch an den Kopf und denke: "BITTE, NICHT!!!"

Hat man in Hollywood an Drehbuchautoren denn nichts besseres zu bieten als das? Oder ist das gar der Wille und Wunsch Disneys?
Ich für meinen Teil ziehe mittlerweile die Prequels den Nachfolgern - Episode 7 und was da noch kommen mag - tatsächlich klar vor.
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Re: SW Episode VII: Ist nun wirklich alles wieder gut?

Beitrag von Arrow »

Death Angel hat geschrieben:Auch der zweite Trailer macht Lust auf mehr. Hier scheint wirklich alles in die Zeit zu passen, was natürlich auch klarer ist als bei Episode 7, da hier durch die Original Trilogie bereits recht klar definiert ist, was es an verwendbaren Gerät zu geben hat.

Die Rebellentruppe erinnert mich immer an die glorreichen Sieben (bzw. deren Vorgänger, die sieben Samurai). Es ist natürlich alles dabei was dabei sein muss. Neben den bunt zusammengewürfelten menschlichen Darstellern unterschiedlicher Rassen und Hautfarben, gibt es auch den obligatorischen Droiden und natürlich ein Alien - der Droide erinnert mich da ein wenig an HK-47 aus Knights of the old Republic.
Genau das meinte ich. In "Rogue One" bewegt man sich auf sicherem Terrain: Hier muss absolut gar nichts etabliert werden, sondern die Verhältnisse sind klar. Hier geht es schließlich um eine Einzelepisode und nicht um den Auftakt einer neuen Trilogie, wo man erfahrungsgemäß nie ganz weiß, wohin die Reise gehen wird. Ausgefallene Ideen oder irgendwelche Experimente sind hier kaum zu erwarten -, was in der Prequel-Situation, in der sich das Ganze abspielt, ein klares Plus ist. Hier wären irgendwelche ausgefallenen Einfälle tatsächlich fehl am Platz; ich denke, wir können mit einer netten, relativ konventionellen Action-Agenten-Story rechnen. Ich glaube, mehr verlagt auch niemand von "Rogue One".

Das mit den Glorreichen Sieben ist kein schlechter Vergleich: Eine bunt zusammengewürfelte Truppe mit ganz unterschiedlicher Motivation und EInzelschicksalen ist ja genau das, was die Rebellion gegen das einheitliche Imperium ausmacht: Individuen gegen ein militärisches, oppressives Regime. Unterschiedliche Hautfarben, Geschlechter und Spezies gehören da natürlich dazu. Star Wars: Rebels arbeitet genauso und fährt gut damit. Hier allerdings müssen wir abwarten, wer und was alles dabei ist. MIt Forest Whitaker haben wir schon einmal einen äußerst talentierten Charakterdarsteller an Bord. Lassen wir und überraschen. Neben Mon Mothma sehen wir im Trailer auch weitere Offiziere der Allianz - ich bin mir ziemlich sicher, dass der eine der junge General Jan Dodonna ist. Auf entsprechendes Name-Dropping werden wir uns einstellen können. Bei dem Militär-Droiden musste ich auch sofort an HK-47 denken. Ich fand ihn selbst als freundlichen (umprogrammierten?) Helfer im Trailer bereits bedrohlicher als die Heerscharen tollpatschiger CGI-Roboter aus der letzten Trilogie. Dem Kerl will man nicht im Bösen begegnen. Schon im Trailer spürt man einfach die düstere, ernsthafte Stimmung. Genau das fehlte übrigens der Prequel-Trilogie, wo alles Übel stets in der Form von Anakin Skywalker personifiziert wurde.
Death Angel hat geschrieben:Meine Vorfreude auf Rogue One ist aber zur Zeit so groß wie schon lange nicht mehr bei einem Star Wars Film - genau genommen seit Episode 1. Damals fand ich die Trailer auch großartig, die folgenden Filme konnten das Versprochene dann aber nicht einmal ansatzweise halten. Ich kann nur hoffen, das es bei Rogue One nicht ähnlich ist wie bei Episode 1 (und vielen anderen Filmen heutzutage), dass der Trailer bereits ein Best Of der Szenen aus dem Film ist.
Im Nachhinein finde ich keinen der vorherigen SW-Trailer besonders gut. Das lässt sich rückwirkend natürlich locker behaupten, wenn man die entsprechenden Filme kennt, und natürlich war ich damals vom Ep. I-Trailer auch mal begeistert. Lucas hat es schon damals verstanden, mit wenigen Szenen und Bildern an die Phantasie der Fans zu appellieren, die danach wie die Lemminge begeistert losklatschen. Ich würde sogar behaupten, dass wir mittlerweile an einem Punkt angelangt sind, an dem Lucasfilm als Trailer auch einen Sternenhintergrund mit Texteinblendungen präsentieren könnte, um große Erwartungen zu wecken. Bei "Rogue One" ist das ein klein wenig anders, da wir diesmal ja wissen, um was es geht, und die Vorgeschichte von Episode IV recht wenig Spielraum bietet. Es ist aber die erwartbare Geschichte selbst, die interessiert. Ich glaube, viele Zuschauer und Fans freuen sich darauf, nach 1986 erstmals wieder das Imperium, die Rebellen sowie Darth Vader wiederzusehen - und nicht irgendwelche Prequel-Derivate oder halbgare Nachfolger. Hier geht's wirklich um das Original. Worauf ich ganz persönlich hoffe (und mich freue), ist die Abwesenheit der ganzen Jedi- und Macht-Thematik mit ihrem pseudo-religiösen Firlefanz und ihren messianischen Heilserwartungen. Die Rebellen-Allianz hat sich nicht um irgendwelche Jedi gruppiert, sondern um ehemalige Politiker, Ex-Militärs und Freiheitskämpfer, die die Politik des Imperiums satt hatten. Hier geht's um militärischen Widerstand und ums nackte Überleben angesichts einer Superwaffe, nicht um das Schicksal einer einzelnen Person im Rahmen einer großen Bestimmung. Zurück zur guten alten Laserkanone, wie es Han Solo in Episode IV mal so schön ausgedrückt hat!
Death Angel hat geschrieben:Noch ein Wort zu den Prequels: Ich bin kein Fan dieser Filme, aber ich akzeptiere und bewundere bis zu einem gewissen Grad was George Lucas hier versucht hat. Sowohl was Design, als auch die Geschichte angeht hat er hier was Neues versucht um sich von der Original Trilogie zu unterscheiden. Dafür ein dickes Lob. Leider sind aus den Prequels durch das reinstopfen von absolut unnötigem Material, welches weder der Entwicklung der Charaktere noch der Geschichte geholfen hat, schlechten Dialogen und dummen Slapstickeinlagen nur ein paar bestenfalls mittelmäßige Filme entstanden.
Und trotzdem, wenn ich jetzt was Episode 8 angeht, bereits von Parallelen zu Episode 5 lese, dann greife ich mir nur noch an den Kopf und denke: "BITTE, NICHT!!!"
Die Prequels (Ep. I-III) waren ein extrem ambitioniertes Projekt, keine Frage. Doch Lucas hat sich dabei sprichwörtlich verhoben und übernommen. Das Stichwort lautet "Hybris". Als unangefochtener Kopf und Rechteinhaber von SW meinte er, er könnte seine eigene Vision als Drehbuchautor, Co-Produzent und Regisseur in Personalunion verwirklichen. Er wollte alle Fäden in der Hand behalten und hatte am Ende eine derartige Kontrolle über seine Filme, die selbst einen Quentin Tarantino neidisch machen würde. Normalerweise agieren Produzenten, Regisseure und Drehbuchautoren als sich gegenseitig regulierendes Triumvirat. Läuft das Vorhaben einer Seite aus dem Ruder, gibt es immer jemanden, der einschreitet und entsprechend Einhalt gebietet. Hier hat das nicht stattgefunden: Alle Entscheidungsträger waren regelrechte Vasallen und Abnicker, von denen kein Widerspruch zu erwarten war. Schaue dir dazu ruhig mal die Reviews des YT-Kanals "Red Letter Media" an. Dort werden auch Teile des Bonusmaterials kommentiert, wo man Lucas in Gesellschaft seiner Mitarbeiter beobachten kann. Reaktion und Mimik der Leute sprechen Bände. Klar, man kann das im Nachhinein natürlich hämisch kommentieren, aber eines wurde deutlich: Ein kritisches Korrektiv war abwesend, und jede noch so absurde Idee wurde pflichtschuldig beklatscht. Entsprechend war das Ergebnis. Komplett neu oder überraschend war die Prequeltrilogie übrigens gar nicht -, die Geschichte war im Groben bereits durch die alten Filme vorgegeben. Die Frage war, wie macht man es (glaubwürdig)?

Death Angel hat geschrieben:Hat man in Hollywood an Drehbuchautoren denn nichts besseres zu bieten als das? Oder ist das gar der Wille und Wunsch Disneys?
Ich für meinen Teil ziehe mittlerweile die Prequels den Nachfolgern - Episode 7 und was da noch kommen mag - tatsächlich klar vor.
Tja, gerade bei der neuen Trilogie wäre es wirklich mal Zeit für frische Ideen und neue Einfälle gewesen. Was wir aber bisher gesehen haben, schmeckt leider z.T. nach altem Wein in neuen Schläuchen. Vielleicht wenden sie in Episode 8 tatsächlich noch das Blatt, aber ich befürchte, dass Ep. 7 schon die Marschrichtung im Wesentlichen vorgegeben hat. Wie ich oben schon mal erwähnt habe, wollte man offenbar gar nichts richtig Neues auf die Beine stellen. J.J. Abrams bot sich als erfahrener Resteverwerter freilich an. Allerdings ist er eben nur zum Teil für das Drehbuch verantwortlich gewesen, und darüber hinaus sollen im Film noch zahlreiche Fragmente aus dem verworfenen "Urdrehbuch" enthalten sein ...
Rogue One hat den großen Vorteil, dass es keine neue, große Trilogie einzuläuten oder einen Mythos fortzuschreiben hat. Die Macher können sich hier vergleichsweise unbeschwert austoben und sich auf ihre eigene Kurzgeschichte konzentrieren, der zwar gewisse Grenzen gesetzt sind, die aber auch ein wenig Abseits des Geschehens steht. Darin liegt m.E. eine große Chance. Sollen sich andere mit der Neuen Ordnung und den neuen Jedi befassen - wir erzählen eine Episode aus der klassischen Ära mit allem, was die Leute früher cool fanden. Ich denke, das wird bei vielen offene Türen einrennen, denn klassisches SW in modernem Produktionsgewand haben wir eigentlich seit den 80ern nicht mehr zu sehen bekommen.

Vielleicht ist es auch längst an der Zeit, dass SW sich von der Erzählform der Trilogie allmählich emanzipiert. Wo steht denn geschrieben, dass man immer das ganz große Rad drehen muss? Das Expanded Universe war da schon etwas weiter, und mit den Animationsserien hat man auch das Serienformat für sich entdeckt. Weitere Einzelfilme sollen ja schon angedacht sein - die Gerüchteküche brodelt. Disneys Übernahme muss also nichts zwangsläufig Schlechtes sein. Mir ist die neue Trilogie schon gar nicht mehr so wahnsinnig wichtig, wenn es daneben noch andere gute Ableger gibt! Möglicherweise wird auch Episode 8 dafür sorgen, dass ich I-III bei all ihren Schwächen und eklatanten Dummheiten mit etwas anderen Augen sehe. ;)
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Re: SW Episode VII: Ist nun wirklich alles wieder gut?

Beitrag von Death Angel »

Die Red Letter Media-Dokus kenne ich natürlich - sehr interessant und sehr speziell. Jeder der sie gesehen hat, weiss was damit gemeint ist. Die Kritik darin ist zwar sehr hart, aber nie unfair und eigentlich immer zutreffend. Aber definitiv nichts für absolute Star Wars Nerds, die schon bei dem Gedanken an Star Wars, jedi und Macht feuchte Hände bekommen.

Es gibt jetzt übrigens auch eine Doku zu Episode VII :D
https://youtu.be/miVRaoR_8xQ
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Re: SW Episode VII: Ist nun wirklich alles wieder gut?

Beitrag von Arrow »

Death Angel hat geschrieben:Die Red Letter Media-Dokus kenne ich natürlich - sehr interessant und sehr speziell. Jeder der sie gesehen hat, weiss was damit gemeint ist. Die Kritik darin ist zwar sehr hart, aber nie unfair und eigentlich immer zutreffend. Aber definitiv nichts für absolute Star Wars Nerds, die schon bei dem Gedanken an Star Wars, jedi und Macht feuchte Hände bekommen.
Ja, die berühmten "Plinkett's Reviews" zu Star Wars sind - auch wenn sie zwischendrin sehr skurrile Minigeschichten einbinden - so ziemlich die besten Rezensionen, die es zur Prequel-Trilogie gibt. Hier kann ich praktisch jeden Satz, jede These unterschreiben. Selbst der bekannte Kritiker Roger Ebert hat die SW III-Rezension schon positiv kommentiert. Die Jungs dort sind keineswegs Gegner von SW, ganz im Gegenteil. Jeder, der in irgendeiner Weise etwas Offizielles zu SW beiträgt, sollte die Videos einmal angeschaut haben, finde ich. Sie hatten ja schon den Macher der Doku "The people vs. George Lucas" zum Gespräch im Studio, wo es um die immer neuen Editionen der Filme ging. Und der Typ war definitiv ein SW-Nerd. Nicht alle legen deswegen jede Kritikfähigkeit ab, wie man's leider allzu oft sehen muss.
Death Angel hat geschrieben:Es gibt jetzt übrigens auch eine Doku zu Episode VII :D
https://youtu.be/miVRaoR_8xQ
Muss ich mir mal in Ruhe ansehen. :)
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Re: SW Episode VII: Ist nun wirklich alles wieder gut?

Beitrag von Arrow »

Ich habe "Rogue One" nun endlich gesehen. Hier also meine ausführliche Meinung dazu, für die ich natürlich eine Spoiler-Warnung aussprechen muss:

[+] Spoiler

Nachdem Episode VII für mich eine solide Mischung aus Fortsetzung und Reboot gewesen war - mehr aber auch nicht - hatte ich mich auf "Rogue One: A Star Wars Story" ganz besonders gefreut. Wenn schon der Auftakt der neuen Trilogie keine frischen Ideen mitbrachte, warum dann nicht gleich in die selige Vergangenheit des Universums eintauchen, wo die Fronten geklärt sind und große Überraschungen nicht zu erwarten sind. Ist es zwingend nötig gewesen, die Geschichte um den Diebstahl der Todesstern-Baupläne zu verfilmen? Nein, das sicher nicht, es sei denn, man möchte die Lücke zwischen Episode III und IV überbrückt sehen (wo SW: Rebels ohnehin bereits vorlegte). Schadet diese neue Binnenepisode dem Franchise in irgendeiner Weise? Ein klares Nein - ganz im Gegenteil!
Mit "Rogue One" hat Star Wars nun seinen ersten reinrassigen Kriegsfilm. Ich sage bewusst nicht Actionfilm, denn Action gab es in den "Nummern-Episoden" jede Menge. Hier geht es wie erwartet nicht darum, das große Weltraummärchen um eine neue Facette zu erweitern. Auch das Gleichgewicht der Macht, der ewige Kampf zwischen heller und dunkler Seite, bzw. die Jedi-Mystik spielt hier überhaupt keine Rolle. Die Jedi sind vernichtend geschlagen und folglich (vorerst) abwesend. Das Imperium hat die fast uneingeschränkte Kontrolle über die Galaxis und setzt auf Furcht, Militär und Gigantismus. Nichts repräsentiert(e) das besser als der Todesstern, der hier gleich zweimal zum Einsatz kommt, und schon deswegen vernichtet werden muss.
Jawohl, mir gefällt der Film ziemlich gut! Rogue One funktioniert, weil es genau das abliefert, was es versprochen hat: ein kompromissloses Kriegsszenario ohne klassische Helden, ohne metaphysischen Unterbau, und auch ohne Wunder in letzter Sekunde. Hier regiert schlicht die Physis, die Anzahl der Laserkanonen entscheidet über Sieg oder Untergang. Da gibt's auf keiner Seite Pardon, denn die Rebellen können sich dem Imperium nicht in offener Schlacht entgegenwerfen, müssen dafür aber mindestens genauso unbarmherzig sein, wenn sie gegen solch eine Macht etwas ausrichten wollen. Wer sich an der knallharten Ausrichtung stört, sollte bedenken, dass SW im Gaming-Bereich schon seit Jahrzehnten ein reines Kriegs- und Kampfszenario war. Und genau dieser gnadenlose, schmutzige Ansatz tut Star Wars m.E. richtig gut. Tatsächlich kehrt in "Rogue One" ein Realismus ein, der zuvor (mit Ausnahme von Ep. V) eigentlich nie so recht vorhanden gewesen war: Wo in Episode IV der riesige Todesstern noch relativ leicht infiltriert und wieder verlassen werden konnte, weil die Charaktere eben die großen Alpha-Helden waren, sieht man diesmal, welch selbstmörderisches Unterfangen so eine Aktion darstellt. Hier sehen wir nunmal ausnahmslos Rebellen aus der entbehrlichen dritten und vierten Reihe, die sich nicht auf den Drehbuchautor als Schutzheiligen berufen können. Man kann zwar mit einem geklauten Schiff nebst Sicherheitscodes in eine wichtige imperiale Basis hineingelangen, aber sobald man entdeckt ist bzw. die Bomben explodieren, ist man unweigerlich geliefert. Es ist und bleibt ein Himmelfahrtskommando, und dass am Schluss alle sterben, ist die einzige glaubwürdige Konsequenz. Selbst die Sturmtruppen dürfen sich in diesem Szenario endlich rehabilitieren: an einem Han Solo mussten sie noch stets knapp vorbeischießen, doch hier dürfen sie ihrem Namen alle Ehre machen. Wie die Hasen werden die Rebellenschützen schließlich abgeknallt, auch die Handgranaten verfehlen ihre Wirkung diesmal nicht. (Damit machen sie wett, was ihnen im ersten Drittel von "Rogue One" noch wiederfahren musste, aber dazu später mehr.)

In Punkto Trickeffekte und Kampfgetümmel lässt "Rogue One" selbst Episode VII locker hinter sich. Weniger technisch als vielmehr stilistisch. Der immer etwas glattpoliert aussehende Videospiel-Look von "Das Erwachen der Macht" fehlt hier völlig, als hätte ILM sämtliche Glanztexturen (specular maps) abgeschaltet. Hier ist alles herrlich mattiert, schmutzig, dreckig, geradezu brutal unästhetisiert. Noch nie haben die klassischen Schiffsdesigns dieser Ära so beeindruckend ausgesehen -, zum ersten Mal trauere ich nicht mehr den alten physischen Trickeffektmodellen hinterher. Diesen Rubicon hat man nun endlich überschritten, und entsprechend sieht die Raumschlacht zum Ende des Films, trotz viel weniger Schiffe um Welten besser aus als das seelenlose CGI-Geballer über Coruscant aus Episode III. Dümmlichen Slapstick-Humor sucht man hier vergeblich. Selbst der umprogrammierte imperiale Droide K-2, der hier für die lustigen Momente zuständig ist, bildet die Antithese zu Jar Jar Bings, der uns damals immer wieder daran erinnern durfte, dass SW auch was für die ganz Kleinen ist. Das trifft nicht für "Rogue One" zu, denn Kinder gehören wirklich nicht in diesen Film. Blut fließt zwar keines - auch wenn ich es in diesem Film tatsächlich passend gefunden hätte, trotzdem geht es sehr brutal zur Sache, und vieles spielt sich allein im Kopf des Zuschauers ab. Deshalb ein paar Worte zu Darth Vader, der in "RO" mehr als nur einen Gastauftritt hat: Als böse gewordener Anakin Skywalker sahen wir ihn in Ep. III bereits mit dem Lichtschwert im Jeditempel um sich schlagen, doch das ist in seiner Intensität absolut nichts gegen seinen Einsatz als Einmann-Enterkommando am Ende von Rogue One: Wie eine Dampfwalze metzelt sich Vader durch die verzweifelten Allianzsoldaten, die im Korridor vor einem verklemmten Schott in der Todesfalle sitzen. Hier stellten sich mir bei dem grausigen Geschrei zum ersten Mal die Nackenhaare auf. Hätte es noch ein paar Blutspritzer auf den blütenweißen Wänden gegeben, die Jugendlichen würden sich heute vermutlich keine Vader-Pappaufsteller in die Stube pinnen. Ja, das hat mir gefallen, denn das ist Darth Vader im Star Wars für Erwachsene!

Dennoch ist "Rogue One" natürlich kein Meisterwerk und hat zahlreiche Schwächen sowie ein paar Logikfehler, wobei Letztere aufgrund der simplen Handlung nicht so schwerwiegend sind wie noch im wichtigtuerischen Ep. VII. Ein Problem ist ganz klar die Figurenzeichnung: Jyn Erso als zentrale Figur des Himmelfahrtskommandos ist trotz zahlreicher Rückblenden in ihre Kindheit eine reichlich uninteressante Figur. Ihre Entwicklung von der Außenseiterin zur überzeugten Rebellin ist klischeehaft und erfolgt viel zu plötzlich. Als sie in einer Schlüsselszene die unwilligen Ratsmitglieder der Allianz zum Kampf anzustacheln versucht, war das durch die platte Freiheits-Rhetorik doch eher peinlich. Ihr männlicher Mitkämpfer Cassian Andor bleibt leider komplett blass, obwohl seine Geschichte ("Ich kämpfe seit meinem sechsten Lebensjahr") viel Potential gehabt hätte.
Der blinde Kampfmeister (natürlich Klischee-Asiate) hatte wiederum die Aufgabe inne, Jedi-Sprüche zu rezitieren. Ein richtiger Jedi durfte er natürlich nicht sein, aber machtempfindlich war er zweifellos und sollte wohl zum Ausdruck bringen, dass die Macht nur noch als folkloristischer Mythos existiert, den das Imperium komnplett ausmerzen will. Er wird erschossen, womit er seinen Zweck wohl erfüllt hat. Das war die Stellung der Macht in "Rogue One", könnte man sagen.
Besonders enttäuschend fand ich im Rahmen des Jyn-Hintergrundplots auch den eigentlich hochkarätigen Charakterdarsteller Mads Mikkelsen, der fast nur in ein paar Rückblenden den besorgten Vater spielen durfte. Seine Rolle als verzweifelter Witwer und imperialer Waffenkonstrukteur wider Willen hätte viel mehr Raum benötigt, um wirklich den tragischen Helden abzugeben. Hier wurde ein großer Darsteller unter Wert verbraten, doch damit steht er in "Rogue One" nicht allein. Richtig ärgerlich wird es nämlich bei Forest Whitaker, der als "freischaffender" Rebell Saw Gerrera zwar im ersten Drittel des Films oft erwähnt wird, dann aber nach ein paar Dialogfetzen unspektakulär (und unnötig) das Zeitliche segnet. Ein ganz schlechter Witz und wohl die sinnloseste Nebenrolle aller Zeiten für einen Oscar-Preisträger. Der Trailer ließ anderes vermuten, doch die Hälfte der Szenen darin kommt im Film sowieso nicht vor.
Etwas mehr erwartet hätte ich mir auch von Direktor Krennic, der nach dem Trailer noch wie ein möglicher Großadmiral mit weißer Uniform gehandelt wurde. Als Leiter des Todesstern-Programms hat er immerhin ein paar nette Szenen mit Vader und Großmoff Tarkin, womit klar wurde, dass er eigentlich nur ein weiteres Opfer des Imperiums werden würde. Der Todesstern ist zu diesem Zeitpunkt nämlich noch eine streng geheime Waffe, von der der Imperiale Senat, das so gut wie machtlose Vorzeigeparlament, noch nichts wissen darf. Ein eitler, renitenter Mitwisser wie Krennic musste im Machtkampf gegen Großmoff Tarkin am Ende einfach den Kürzeren ziehen. Doch kommen wir mal zu Tarkin, der in "Rogue One" digital wiederauferstehen durfte. Ich fand die Darstellung größtenteils überzeugend, auch wenn andere den kognitiven Effekt des "Uncanny Valley" heraufbeschwören, also die extreme Nichtakzteptanz einer Figur kurz vor dem Fotorealismus. Der Effekt trat bei mir eher am Ende mit Prinzessin Leia auf, die nun wirklich wie eine Wachsfigur wirkte. Trotzdem frage ich mich, ob es rechtlich bzw. moralisch in Ordnung ist, einen seit Jahrzehnten verstorbenen Darsteller wie Peter Cushing digital für eine Rolle nachzubilden ... Was sagen seine Kinder und Enkel eigentlich dazu?
Die deutsche Synchronstimme passte jedenfalls überhaupt nicht, da viel zu hoch. Dennoch ein beeindruckender Auftritt, in dem Tarkin auch deutlich macht, dass er die Superwaffe einsetzen wird, wann immer er es für nötig hält. Dass er den überflüssig gewordenen Direktor Krennic damit am Ende gnadenlos über den Haufen schießt, ist nur verständlich: Tarkin will die absolute Befehlsgewalt über den Todesstern, und die bekommt er letztlich auch. Vader interessiert sich dafür nicht, taucht aber mit seinem Flaggschiff "Devastator" am Ende auf, um den Sack über Scarif zuzumachen.
Kommen wir nun zu ein paar Absurditäten, die mir aufgefallen sind:

War das nun wirklich glaubwürdig, dass das Kommandoschiff der Rebellenallianz, in seinem Hangar die Korvette Tantive IV mitführte? Hatten die schon ihre Triebwerke auf Standgas laufen, um am Ende nur noch "auf die Tube" drücken zu müssen? Damit schließt sich freilich der Kreis zur Verfolgung über Tatooine, aber war das nicht ein etwas zu großes Risiko?

Laut Galen Erso besteht seine von ihm eingebaute Schwachstelle des Todessterns aus dem "Reaktormodul", das gegenüber Treffer empfindlich ist und eine Kettenreaktion auslösen könnte. Verstehe ich das richtig? Er nennt es sogar "unauffindbar" und "winzig". Reaktormodul ist gleich Reaktor, und der soll gegenüber Beschuss besonders empfindlich sein? Und wo ist der denn winzig? Über 30 Jahre habe ich immer geglaubt, die Schwachstelle des Todessterns wäre ein blöder Entlüftungsschacht gewesen, der dummerweise groß genug war, einen Flugkörper bis zum Reaktor durchzulassen. Jetzt ist es der Reaktor bzw. das Reaktormodul selbst? Wenn ich mir also ein Pfund Zucker in den Tank schütte und der Motor dann streikt, dann liegt das vermutlich an einer fiesen Schwachstelle des Herstellers am "Zylindermodul". Explosionen und Waffenwirkung haben an einem Reaktor nichts verloren, denn Reaktoren haben keine Schwachstelle, sie sind welche. Lande einen direkten Treffer darauf und das war's. War das vielleicht ein dummer Übersetzungsfehler oder bin ich bescheuert? Herrje, zwei gekreuzte Stahlträger im Schacht hätten den blöden Torpedo damals abhalten können! "Reaktormodul" ... Schwachsinn hoch drei! :mad:
Nachdem die Y-Wings einen Sternzerstörer lahmgelegt haben, rammen die Rebellen ihn mit einer Korvette und schieben ihn in einen anderen Zerstörer hinein. Cooles Manöver - und damit ist ein Schiff von "SW: Rebels" nun auch kanonisch. Aber wieso schneidet der Zerstörer ohne Schilde wie ein heißes Messer durch Butter den funktionierenden Zerstörer mit Schilden in Stücke? Müsste das nicht vielmehr umgekehrt ablaufen?

"Rogue One" ist defintiv kein Meisterwerk, aber wer erwartet von SW so etwas heute noch? Es ist vielmehr ein unterhaltsamer Action-Kriegsfilm, der mir persönlich viel mehr Spaß gemacht hat als Episode VII, einfach weil er sich in seinem Anspruch sehr zurücknimmt. Hier wurde kein neues großes Abenteuer aufgerollt, sondern eine Kommandooperation als Binnenepisode gezeigt. Selbst den hartgesottenen Fans tut dieser Film nicht weh, er dichtet dem Universum auch keinen unsinnigen Schmarrn hinzu. Gut, die schwarz gepanzerten "Death Troopers" hätte es nicht zwingend gebraucht, aber störend sind die nicht aufgefallen. Das ein oder andere noch unbekannte Schiffsdesign wurde zwar gezeigt, aber am Ende gab's ausreichend Fanservice für die Freunde der klassischen Kisten. Apropos Fanservice: Davon enthält Rogue One jede Menge -, ich will das gar nicht aufzählen, denn das ist eh etwas für Freunde der Pausentaste mit Notizblock. Lustig fand ich eher, wie so manche absurde Fankonstruktion aus der Traileranalyse in Leere ging: Der große Unbekannte im Backta-Tank war letztlich auch nur Darth Vader und nicht Obergollum Snoke. Da spinnen sich manche Fans echt eine Kontiniutät zusammen, die selbst Babylon 5 in den Schatten stellt, am Ende aber völlig Banane ist. Absurd anzunehmen, dass Rogue One überhaupt Rücksicht auf so einen Quatsch wie den "First Order" nehmen würde, wo es doch hier ein funktionierendes Imperium auf der Höhe seiner Macht gibt! Trotz vieler kleiner Anspielungen erzählt der Film eine ziemliche simple Geschichte, die m.E. durch viele Rückblenden auf den Tochter-Vater-Komplex unnötig verkompliziert wurde. Jyn Erso ist keine sonderlich interessante Figur, sondern Soldatin in einem asymmetrischen Krieg, der keine strahlenden Helden kennt. Es gibt keinen Grund, ihr mehr hinterherzutrauern als der Bevölkerung von Alderaan. Das gilt auch für die anderen Rebellen des Angriffs, von denen selbst die wenigen mit Sprechrollen genauso entbehrlich waren wie die namenlosen Helmträger, die am Ende fallen wie die Fliegen. Die "Glorreichen Sieben" trifft hier nicht zu, eher: "Die letzte Kompanie".

Empfehlenswert ist übrigens auch die Diskussionsrunde zum Film auf Red Letter Media". Dort stellen sich die Jungs die Frage, was von einem SW-Film heutzutage überhaupt erwartet wird, um bei den Fans zu bestehen. Sind es letztlich etwa doch nur Lichtschwerter, Raumjäger, Superwaffen und weiße Sturmtruppenpanzer? Wenn es wirklich stimmt, dass in Kinosälen schon applaudiert wird, wenn Vader nur sein Lichtschwert zündet, darf es nicht überraschen, dass die FIlmemacher angesichts solcher Erwartenshaltungen immer auf dieselben Elemente zurückfallen.
Ich erwarte jedenfalls keine frischen Ideen mehr. Sollte Disney SW ab sofort mit weiteren derartigen Binnengeschichten melken, könnte ich aber sogar damit leben. Auch ein profanes Schnitzel Wiener Art kann den Gaumen erfreuen, wenn gerade kein Kalbfleisch vorhanden ist und die Beilage stimmt. Das ist "Rogue One" allemal: eine ordentliche, bekömmliche Mahlzeit. Durchaus genießbar und empfehlenswert.
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Re: SW Episode VII: Ist nun wirklich alles wieder gut?

Beitrag von MajorSpawn »

hi, ich habe mir heute auch mal unbeding "Rogue One" ansehen müssen, und ich muß sagen, ich fand ihn allemal besser, als diesen blödsinnigen Star Wars Abklatsch, den sich Disney mit Episode VII erlaubt hat - denn darin kommt mir einfach viel zu viel unlogischer Schwachsinn vor - aber seis drum, jeder hat so seine Meinung, hier ist eben meine
[+] Spoiler

Bei den CGIs muß ich Arrow widersprechen, ich fand Tarkin ziemlich schrecklich und Leia hingegen ganz ok, vielleicht auch deswegen, weil ihr Auftritt sehr kurz war.
Nachdem ich Arrows Kritik gelesen habe, denke ich über manche Aspekte, über die ich mir noch keine Gedanken gemacht habe zwar auch etwas kritischer, aber das meiste stört mich persönlich nicht so sehr - wie gesagt: unterschiedliche Menschen, verschiedene Meinungen.
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Re: SW Episode VII: Ist nun wirklich alles wieder gut?

Beitrag von Arrow »

MajorSpawn hat geschrieben:Nachdem ich Arrows Kritik gelesen habe, denke ich über manche Aspekte, über die ich mir noch keine Gedanken gemacht habe zwar auch etwas kritischer, aber das meiste stört mich persönlich nicht so sehr - wie gesagt: unterschiedliche Menschen, verschiedene Meinungen.
Ich glaube, so weit liegen wir mit der Meinung gar nicht auseinander. So sehr fallen die paar Ungereimtheiten von "Rogue One" eigentlich nicht ins Gewicht -, dafür ist das ganze Szenario viel zu Narrensicher und geradlinig. Nichts davon verdirbt den Film oder seine Story. Die etwas unausgegorene Nebenhandlung mit ihren Rückblenden könnte man sogar restlos streichen, und der Film würde immer noch funktionieren.
[+] spoiler

An der Darstellung Tarkins scheiden sich natürlich die Geister. Ich fand seine Mimik recht akzeptabel, auch wenn es immer noch besser geht. Trotz des Fotorealismus' in Standbildern ist die Perfektion im Bewegtbild noch nicht erreicht, keine Frage. Mir persönlich ist die jetzige Umsetzung aber immer noch lieber, als ganz auf Tarkin zu verzichten. Man kann einfach keine Geschichte über den Todesstern ohne ihn erzählen, auch wenn es in den Trailern noch so ausgesehen hatte. Dort wurde ja Krennic als mächtiger Befehlshaber gehandelt, was am Ende ein großer Irrtum war. Ich fand es jedenfalls gut, dass Tarkin dabei war, zumal noch einmal deutlich wurde, welche Machtposition ein Großmoff innehat. Er wird zwar auf deutsch immer als Governeur bezeichnet, aber genau genommen ist er der Militärgoverneur für den gesamten "Äußeren Rand", also noch weit über den System- oder Sektorgoverneuren angesiedelt. In Episode IV durfte er selbst Vader zurechtweisen und dessen Anrede "Lord" weglassen. Das hätte sonst niemand gewagt. Wie gesagt, wundert es mich nicht, dass Direktor Krennic zwischen Vader und Tarkin nur zerrieben werden konnte. Er war überflüssig und lästig geworden.
Mit "Rogue One" sind übrigens erneut Teile des früheren Expanded Universe überschrieben worden. In den Romanen der Jedi-Academy-Trilogie von Kevin J. Anderson wurde die Konstruktion des Todessterns anders dargestellt. Da gab es sogar noch einen vergessenen Prototypen in einem Geheimversteck. In den Fortsetzungen des EU musste ja stets eine neue große Gefahr aus dem Hut gezaubert werden.
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